1. Auflage, 129 Seiten, 77 farbige Tabellen und Grafiken, erschienen 12/2007
Die Umsatzsteigerung im Möbelmarkt in 2006 brachte für 2007 eine erhebliche Hypothek mit sich. Nicht nur die Mehrwertsteuererhöhung Anfang des Jahres bedeutete einen erneuten Rückschlag, sondern auch die wirtschaftliche Situation der Hersteller konnte sich kaum verbessern lassen. Eine Bewertung der weiteren Effekte für den Inlandsmarkt bedarf einer differenzierten Betrachtung. Positiv ist sicher der Aufschwung am Arbeitsmarkt. Negativ sind dagegen die deutlichen Rückgänge im privaten Wohnungsbau zu sehen. Und wie sich die Einzelhandels-Konjunktur weiterhin entwickeln wird, ist nach den Preiserhöhungen der letzten Wochen wieder mit einem Fragezeichen zu versehen.
Diese Aussagen gelten auch für den Polstermöbel-Markt, dem zweitgrößten Marktsegment hinter Küchen. Auch beim Verkauf von Polstermöbeln ist der Markt in Bewegung geraten. Nicht nur dass der Durchschnittspreis für Polstermöbel dramatisch sinkt, immer weniger Polstermöbel werden in Deutschland gefertigt. Allerdings hat sich dieser Prozess seit 2005 deutlich verlangsamt.
Wurden noch im Jahre 2000 Polstermöbel mit einem Umsatz in Höhe von 2.964 Mio. € gefertigt, so lag dieser Wert 2006 nur noch bei 2.087 Mio. €. Parallel dazu sank die Inlandsmarktversorgung zu Herstellerabgabepreisen im gleichen Zeitraum von 3.446 Mio. € auf 2.607 Mio. €. Nach den vorläufigen Hochrechnungen hat sich das Volumen in 2007 gegenüber dem Vorjahr um 7% verringert.
Für die deutsche Herstellung kam erschwerend hinzu, dass inzwischen immer mehr Polstermöbel importiert werden, und dies zu äußerst günstigen Preisen. Als Lieferländer haben sich zuletzt Polen und neuerdings auch China besonders hervorgetan. Aber nicht nur die Importe von Polstermöbeln, sondern auch die Exporte sind nach 2001 bis 2006 stetig gestiegen. Besonders beliebt sind die deutschen Möbel und Polstermöbel in den Niederlanden, der Schweiz, in Österreich und in Frankreich.
Die Polstermöbel werden ihre Stellung zukünftig im Gesamtmarkt zumindest halten. Dafür werden schon die aktuellen Verbrauchertrends sorgen. Hinzu kommt der im Vergleich zu anderen Wohnraummöbeln deutlich kürzere Wiederbeschaffungszyklus. So werden die neuen „alten“ Werte von der Möbelbranche schon als „Heilsbringer“ gepriesen. Die Botschaft lautet: Mehr Qualität, mehr Natürlichkeit, mehr Luxus, mehr Individualität.
„Not macht bekanntlich erfinderisch“ und somit hat sich das Handelsrad im Möbelhandel mit einer extremen Betriebsformendynamik besonders schnell gedreht. Seit den 90er Jahren ist eine Tendenz hin zu eigenständigen Vertriebswegen zu konstatieren. Die Palette reicht von Märkten für das „Junge Wohnen“, über Mitnahmemöbelmärkte, besonderen Themenfachmärkten (Küche, Polster, Schlafen) bis hin zu Kooperationen verschiedener Spezialsortimenter. Als weitere Vertriebsformen kommen die multmedialen Formen Internet und TV-Shopping hinzu, wenn auch das Internet beim Möbelkauf hauptsächlich als Informationsplattform genutzt wird.
Die Handelsexperten prognostizieren dem Polster-Fachhandel bessere Chancen. Waren in der Vergangenheit vor allem die großen Einrichtungshäuser mit Verkaufsflächen über 20.000 qm erfolgreich, so haben inzwischen einige der „kleineren“ Fachgeschäfte des Möbelhandels eine Renaissance erfahren, was auch mit dem gestiegenen Bedürfnis der Konsumenten nach Beratung und Service einhergeht. Auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung sehen die Handelsexperten laut der Befragung im Herbst 2007 durchaus positive Zeichen.